23.11.09 - Fun & Lifestyle, Kultur
"Paranormal Activity" – Ein neuer Horrorfilm sorgt für Furore
Angst im Dunkeln? Wenn man der Mundpropaganda traut, wird man sie spätestens nach "Paranormal Activity" haben. Ob der Rummel um den neuen Low-Budget-Horrorfilm aus den USA Recht behält, verraten wir euch in unserer Kinokritik...
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OT: Paranormal Activity
Kinostart Deutschland: 19.11.2009
Länge: 99 Min.
Regie: Oren Peli
Darsteller: Katie Featherston, Micah Sloat, Michael Bayouth
Bewertung: 7/10
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Die Faszination der Angst
"Don't belive the hype" – das befanden einst schon die Rapper von Public Enemy. Dass hinter einem riesigen Medienrummel und einer Mundpropaganda die vor Begeisterung ganze Enzyklopädien füllen könnte auch mal nichts als heiße Luft stecken kann, bewies zuletzt Eli Roth's Folterthriller "Hostel". Nun steht ein neuer Kandidat im Rampenlicht. Und schnell erinnert man sich auch an die Filme, bei denen der Hype vielleicht hier und da etwas über die Stränge geschlagen hat, im Großen und Ganzen aber doch irgendwo seine Daseinsberechtigung hatte. Die Frage ist nun ob sich Oren Peli's Horrorfilm "Paranormal Activity" tatsächlich in letzterer Kategorie zu Filmen wie "The Blair Witch Project" oder "Saw" einzureihen vermag und die Antwort sei gleich schon vorweggenommen: Jain. Aber der Reihe nach.
Micah (Micah Sloat) und Katie (Katie Featherston) sind gerade frisch in ihr neues Haus eingezogen. Doch das völlige Glück ist dem jungen Pärchen nicht vergönnt denn Katie, welche schon ihr Leben lang von paranormalen Aktivitäten verfolgt wird, findet auch im neuen Heim keine Ruhe. Um ihr zu helfen versucht der skeptische Micah daher Katie mit Hilfe einer Videokamera davon zu überzeugen, dass sie sich die Dinge nur einbilde. Nacht für Nacht stellt er die Kamera im gemeinsamen Schlafzimmer auf und überprüft am nächsten Morgen die Aufnahmen. Doch was diese zeigen verschlimmert die Angst der Beiden nur noch mehr...
Flash ist Pflicht!
Rascheln statt Raunen, Imagination statt Effekte
Ein minimalistischer, im Pseudo-dokumentarischen Stil gedrehter Low-Budget Horrorfilm, der ohne wirklich etwas zu zeigen den Kinobesuchern zum Teil soviel Angst einjagt, dass sie vorzeitig die Säle verlassen – gab es das nicht schon einmal? Ja das gab es. Anno 1999 wandte sich der für ein lächerliches Budget gedrehte Hexenhorrorfilm "The Blair Witch Project" zu einem Kassenknüller und gilt bis heute als der rentabelste Film aller Zeiten. Da dürften die Produzenten großer Grusel-Effektoverkills dumm aus der Wäsche geschaut haben, als ein Film ohne jegliche Special Effects, mit Handkamera und Laiendarstellern gedreht an den Kassen mehr Geld einspielte als man es den eigenen, perfekt animierten CGI-lastigen Schauermärchen je zugetraut hätte. Man hätte meinen können die Wirkung des subtilen Horrors wäre wieder entdeckt worden, doch anders als erwartet zog "The Blair Witch Project" keine Welle ähnlich gesinnter Filme nach sich und selbst die Fortsetzung "Blair Witch 2" baute wieder auf gänzlich gängige Konventionen.
"Paranormal Activity" ist der erste Film seit "The Blair Witch Project", der mit ähnlichen Mitteln gedreht einen ähnlichen Erfolg vorweisen kann. Schon kurz nach den ersten Testvorführungen kamen Gerüchte von völlig verängstigten Kinozuschauern in Umlauf und hier und da liest man gar von "Paranormal Activity" als einen der angsteinflößensten Horrorfilme seit Jahrzehnten. Doch wie es so oft der Fall ist, je höher die Erwartungen steigen desto tiefer kann die Meinung fallen wenn man das Endprodukt dann tatsächlich mal selbst zu sehen bekommt. Oren Peli's engagiertes Regiedebut beginnt schon nach kurzer Einleitung mit recht klassischen Gruselmustern. Man sieht das Pärchen beim Schlafen und hört ein Klopfen in der Wand, Fußschritte auf dem Dachboden und undefinierbares Flüstern aus dem dunklen Nebenzimmer. Und nie sieht man etwas genaues. Das ist weder innovativ noch besonders einfallsreich, aber selbst wenn man meint Szene für Szene schonmal irgendwo gesehen zu haben – sei es in Robert Wise's brilliantem Spukhausklassiker "Bis das Blut gefriert" oder in Tobe Hooper's nicht minder gelungenen Geisterkultfilm "Poltergeist" – effektiv ist das Ganze schon irgendwie, was vor allem daran liegt, dass der Pseudo-realistische Stil genau wie in "The Blair Witch Project" vom fehlenden Soundtrack bis zum Verzicht auf einen außenstehenden Kameramann äußerst konsequent umgesetzt wird.
Von Dämonen und Drehbuchautoren
Dass es sich letztlich jedoch lediglich um eine Umsetzung handelt, bleibt dem Zuschauer allerdings dennoch stets im Kopf, wodurch der Gruselfaktor nicht zu ertragende Grenzen, anders als in der Werbekampagne und Mundpropaganda angedeutet, jedoch keineswegs überschreitet. So hält der Film über seine Laufzeit von 99 Minuten ein ordentliches Spannungslevel und vermag dadurch hin und wieder sogar regelrecht zu amüsieren – viel mehr weiß er dann allerdings auch nicht zu bieten. Und hier liegt auch die einzige große Schwäche von Peli's sonst so überzeugendem Geisterfilm: So wirklich interessant an ihm sind nur die Gruselszenen. Ansonsten bleibt "Paranormal Activity" nicht nur in der Umsetzung, sondern auch in seinem Inhalt relativ minimalistisch und ehe man sich versieht ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei. Was den Film letztendlich davon fernhält sich mit einer Genregröße wie "The Blair Witch Project" zu messen ist, dass Peli zwar daran denkt eine ganze Reihe von angenehm schaurigen Andeutungen zu machen, aber leider vergisst, dass ein wirklich überzeugender Horrorfilm eine festere Grundlage als lediglich eine Ansammlung gelungener Gruseleffekte braucht um wirklich zu fesseln. Bereits benannter "The Blair Witch Project" punktet hier mit dem düsteren, psychologischen Verfall seiner Charaktere, wohingegen gleichartige Andeutungen in "Paranormal Activity" eher überstürzt wirken und schlicht nicht feinfühlig genug inszeniert sind. Und selbst wenn man danach noch eine Weile wach liegt und eventuell sogar überdenkt das Licht in dieser Nacht einmal anzulassen – abgesehen von einem schön gruseligen Filmerlebnis bleibt am Ende viel mehr leider nicht übrig.
Fazit
Somit wird "Paranormal Activity" seinem Hype nur bedingt gerecht. Der wirklich große Wurf bleibt dem durchaus talentierten, israelisch-stämmigen Oren Peli zumindest mit seinem Regiedebut vorerst noch verwehrt. Ein ordentlicher Geisterfilm ist bei seinem Versuch aber dennoch herausgekommen und selbst wenn es nicht für die Spitzenklasse reicht, darf man sich angesichts des vielen Videothekenmülls und der überladenen Dark-Castle-Effektorgien allein über diesen Fakt schon einmal freuen. Und bei Licht geschlafen hat man ja auch schon lange nicht mehr. 7/10
Von: Florian KerzelWeiterführende Links:
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